Die Geschichte der Kirchengemeinde Lienen

Aufgeschrieben von Dr. Wilhelm Wilkens, Pastor i.R.

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Teil 1

Die Eingliederung unseres Landes in das Frankenreich Karl des Großen ab 775 führte zu revolutionären Veränderungen. Am tiefgreifensten war die Beseitigung der alten Religion mit Ihren Kultstätten zugunsten des christlichen Glaubens. Die Errichtung von Kapellen und Kirchen am Deetweg muss sich sehr schnell vollzogen haben. Denn die heidnischen Sachen waren nach den Bestimmungen des Reichstages von Lippspringe (782) nicht zur zu taufen, sondern auch um die Kirche herum zu bestatten. Die althergebrachten sächsischen Friedhöfe wurden nicht mehr gedultet.

Schon in der ersten Hälfte des 9. Jahrhundert gehören die Kirchen in Ibbenbüren, Lengerich und Lienen zum Archidiakonat Bünde und werden von Kaiser Ludwig dem Frommen (814 - 840), dem Sohn Karls, zusammen mit Bünde an die 826 gegründete reichsunmittelbare Benediktinerinnenabtei Herford übertragen. Auf diesen Vorgang bezieht sich die von König Konrad III. 1147 ausgestellte Bestätigungsurkunde über die Herforder Besitzungen. In ihr wird Lienen ausdrücklich genannt. Unser Ort gehört also seit der Zeit Ludwigs kirchlich zu Herford.

Der Herforder Besitz umfasste neben der Kirche und Kirchhof (Friedhof) das nördlich sich anschließende Pfarrgelände, die sogenannte Widum. Dazu gehörten alle Flächen am nördlichen Kirchring, einschließlich der heute dort stehenden Häuser Gerlemann, Brüseke, Fletemeyer und Suhre. Die Äbtissin des Klosters Herford nannte ebenso einen breiten Streifen Landes eigen, der von der Nordgrenze des heutigen Friedhofs über den Dorfteich bis über den Umgehungsweg hinaus reichte. Auf diesem Gelände lagen der Äbtissenhof (an der Stelle der heutigen Gemeindeverwaltung), Grundmann (bis 1739 zwischen Hauptstrasse und Dorfteich), der Mühlenteich mit der Mühle und dem Schoppenhof über dem Teich, doch schon jenseits des Umgehungsweges gelegen. Darüber hinaus besaß Herford eine ganze Reihe der alten Westerbecker Höfe.

Nach der Kirchengründung musste auch der Radius der entstehenden Kirchengemeinde bestimmt werden. Die Grenzen entsprachen in etwa denen der heutigen Kommunalgemeinde Lienen. Weite Gebiete waren noch nicht besiedelt. Die Flächen jenseits der Ostenfelder Grenze gehörten kirchlich zunächst zu Laer, später zu Glane. Das war - so weit wir sehen - auch nicht anders in den 250 Jahren, in denen Ostenfelde Lienener Bauernschaft war (bis 1609). Weil Lienen zu Herford rechnete, war der Zehnte an Herford abzuführen (1/3 zur Unterhaltung des Klosters, 1/3 für die kirchlichen Gebäude und Ihre Ausstattung, 1/3 zur Finanzierung der Pfarrei). Über diesen Zehnten kam es später zu einem langwährenden Streit mit dem Bischof von Osnabrück, der der Äbtission nur den Zehnten von ihren unmittelbaren Gütern zugestehen wollte.

Wann Lienen selbständige Pfarre wurde, wissen wir nicht genau. Das geschah spätestens 1186, nach dem Graf Simon von Tecklenburg die Amelongschen Güter (das heutige Dorfgebiet und große Teile Aldrups) vom Osnabrücker Bischof zum Lehen empfangen hatte, Lienen damit endgültig an Tecklenburg kam. Zu dieser Zeit erhielt Lienen den Glockenschlag, und eine steinerne romanische Kirche löste den bisherigen Fachwerkbau ab. Von dieser romanischen Kirche steht heute nur noch der Turm mit seinem Gewölbe. Er wurde auf einem bereits bestehenden christlichen Friedhof errichtet. Die Kirche war Johannes dem Täufer geweiht. Die Kirmes (Kirchenweihfest) lag schon in der Zeit vor der Reformation auf dem dem Johannistag (24. Juni) folgenden Montag.

Einen kleinen Hof auf dem Gelände der Widum hat es sicher vor der karolingischen Zeit an gegeben. Die Landwirtschaft bildete ja das wirtschaftliche Rückgrat im Einkommen eines Pfarrers. Das war erst recht nach der Reformation wichtig. Denn nun hatte der Pfarrer auch eine Familie zu unterhalten. So wurde das Hofgebäude denn auch 1559 in der Größe von 8 Fach neu errichtet. Die Herforder Äbtissin übte das Pfarrstellenbestetzungsrecht aus und visitierte ihre Gemeinden und Besitzungen in regelmäßigen Abständen. Auf einer dieser Visitationsreisen kehrte die Äbtissin Gertrud von der Lippe 1219 auch bei dem Priester in Lienen ein.

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